Ich und die Stradivaris

Es war eine gute Woche, letzte Woche. Mein Roman „Der Wald“ ist erschienen (der kleine Felix ist übrigens auch erschienen, an genau demselben Tag, was mich in aller Stille glücklichst macht, aber das ist eine völlig andere Geschichte, das ist etwas sehr Privates, das füge ich hier nur ein, weil es halt doch raus muss aus mir, und wir sind hier ja unter uns). Jedenfalls, der Roman: Thriller, Roman Noir und Liebesroman gleichzeitig. Es geht darin um schwindelerregend teure Streichinstrumente, Stradivaris, Guarneris und so weiter. Ich habe dafür über die Jahre sorgfältig recherchiert und erinnere mich noch gut an einige Tage aus – ich weiß gar nicht mehr welches Jahr. Haptisch waren diese Recherchen jedenfalls super.

Ich legte meine Hand zum Beispiel ans Leder des Gouvernals eines Rolls Royce. Das aber nur nebenbei, denn mit der Buch-Recherche hatte es nichts zu tun. Da ging es um eine Geschichte für ein Magazin, das einmal im Jahr der Tageszeitung „Der Standard“ beigelegt wird. Nicht, dass Sie jedenfalls glauben, ich fuhr mit dem Rolls spazieren. Allein der Gedanke an die finale Überforderung meines Kontos durch einen Kratzer im Lack hätte mich frösteln lassen. Aber ich saß, umrundet von duftendem Leder, tief unten in der Katakombe einer Wiener Privatgarage, sah auf die fein ziselierten Armaturen des Rolls vor mir und ließ mir von seinem Besitzer erklären, wie er samt Familie damit einige wenige Male im Jahr sonn- oder feiertägliche Ausfahrten abwickelt. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum man nur ein paarmal im Jahr mit so einem Auto fährt, wenn man schon eines besitzt, nun ja. Es ist so:  Der Spitzenmanager, bei dem ich zur Recherche zu Gast war, hat nicht nur den Rolls. Er hat auch einen Ferrari. Einen Maserati. Einen Aston Martin im Renn-Trimm. Vier oder fünf Porsches. Einen Lamborghini. Und so weiter. Und da gibt dir dein Fuhrpark dann halt ganz schön was zum Überlegen auf, wenn du wegfahren willst:

Verdammt, welchen nehmen wir denn heute?

So ein Stress. Willst du nicht haben. Dann lieber arm sein. Verarmter Schriftsteller zum Beispiel, so wie ich halt. Aber kommen wir nun zum Roman und den Stradivaris.

Ich hatte einen Wiener Geigenbauer aufgesucht, der völlig unscheinbar in einem von außen ein bissl heruntergekommen aussehenden Haus lebt. Innen ist die Sache eine ganz andere, da kommt alles ziemlich beeindruckend daher, aber du willst halt nicht so auffallen, wenn du Millionenwerte in deinem Schuppen stehen hast. Understatement ist die beste und günstigste Versicherung. Ich hielt da im Zuge des Gesprächs jedenfalls etwas in der Hand. Es war honigbraun und zärtlich glänzend wie ein warmer früher Herbsttag, wertvoller als alle Autos aus der Privatgarage zusammen, und zart besaitet wie nicht von dieser Welt: eine Stradivari.

Geigenbaumeister R erzählte mir vom Zauber der noblen und nobelsten Geigen des Globus und der Geschichte: Amatis, Guarneris, eben Stradivaris, auch jene des Tirolers Jakob Stainer, der als einziger mit den italienischen Geigenbaumeistern mithalten konnte. Mitten im Satz stand er auf, tanzte zwei Schritte auf eine Wand zu, die sich als eine schwere Stahl-Flügeltüre eines Tresors herausstellte, öffnete, flippte mit leichter Hand aus einer eingebauten Lade eine Geige hervor, hielt sie mir hin und sagte:

Nehmen´S einmal.

Ich nahm und hielt das schöne Ding – zart geflammt der Rücken, sanft geschwungen die Schnecke, tiefschwarz die Beeren der f-Schlüssel – mit der kindlichen Bewunderung eines musikalisch völlig untalentierten nicht-Instrumentalisten ungelenk in der Hand und hatte eine rechte Freude, denn sogar ich konnte erkennen: Dieses Instrument hatte was.

Na, wie fühlt sich so eine Stradivari an?, fragte R und grinste schelmisch wie ein kleines, freundliches Teuferl.

Ich ließ vor Schreck fast los, denn mir war klar: So viel Geld, wie ich jetzt gerade in der Hand halte, verdiene ich in zehn Leben nicht. Und so viel Kunst, das vor allem, würde sich nie wieder von mir berühren lassen. Ich erzähle Ihnen hier nichts vom wirklich wunderbaren Gefühl, das dich verzaubert, hältst du eine Stradivari in der Hand, doch ich sage Ihnen:

Das ist etwas, das bleibt einem.

Sie finden so eine ähnliche Szene übrigens, weil ja Recherche, im Roman vor: Die erfundene, unendlich begabte irische Cellistin Niamh Ní Bhfriain begibt sich da in einen tief unten in einem unscheinbaren Bürgerhaus im holländischen hin Städtchen Leiden liegendenTresorraum, und …
Aber lesen Sie das selbst, der Roman ist ja mittlerweile erschienen und Sie können ihn hier online bestellen, einfach klicken.und Sie werden zum Buchhändler Amazon weitergeleitet. (Sie können natürlich auch in die Buchhandlung Ihres Vertrauens gehen und das Taschenbuch dort mit der ISBN 978-3200111875 bestellen.)
Ein wenig verrate ich Ihnen hier noch im Voraus, Sneak Preview sozusagen, um Ihnen Gusto zu machen: Ich erzähle Ihnen im Episodenroman „Der Wald“ nicht nur eine Geschichte von teuren Streichinstrumenten, von Mord und Totschlag, von internationalen Finanzverwicklungen, einem wilden Griss aller um alles, von bösen Trusts, von der versponnenen Wissenschafterin Henriette, dem grundehrlichen Triestiner Segellehrer Ernesto, dem Gentleman-Gauner Angelicus und von einem verlorenen Österreicher mit holländischem Namen zwischen all dem, einem Berufskollegen von mir. Ich erzähle Ihnen die Geschichten von Menschen und ihrem Kampf um Glück, Macht, Leben und Liebe, wir wir ihn alle zu kämpfen haben.

Ich hoffe sehr, Sie kaufen sich das Buch. Damit mir vom Thema Stradivari und so weiter doch auch finanziell etwas bleibt.