Der Wald, Klaus Puchleitner, Taschenbuch, 272 Seiten, edition writing factory, Graz 2026, Verkaufspreis EUR 18,70, ISBN 978-3-200-11187-5 (Taschenbuch) und EUR 9,35, ISBN 978-3-200-11188-2 (E-Book)

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Hier online bestellen – Klaus Puchleitners Debütroman erscheint am 28.5.2026

Der Wald | Episodenroman

Zum Buch: Eine hochbegabte Cellistin, ein verzagter irischer Auswanderer, ein Gentleman-Gauner, eine smarte Biologin, ein glückloser Journalist, eine Buchhalterin mit erstaunlichem Nebenjob, ein in die Jahre kommender Segellehrer und ein schrulliger Doppelolympiasieger: Das sind die Protagonisten und Protagonistinnen der sechs Episoden dieses Romans, die zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Schauplätzen spielen und vom Kampf um Liebe, Macht, Geld und Erfolg im Leben erzählen, wie wir ihn alle kämpfen. Und hinter allem steht eine klandestine Organisation rätselhafter Investoren, die ihre Chance auf das ganz große Geld wahren wollen. Erzählt wird abwechslungsreich und unterhaltsam, erst nach und nach erkennt man beim Lesen, wie alles mit allem verbunden ist.

„Der Wald“ ist Thriller und Krimi ebenso wie Liebesroman und Historienerzählung – kurz: spannende, abwechslungsreiche Belletristik mit vielen Überraschungen.

Zum Autor: Klaus Puchleitner ist freier Journalist, Autor und Ghostwriter. Er war Redaktionsmitglied der Nachrichtenmagazine „Format“ und „trend“ und hat danach für verschiedene namhafte Printmedien über Reise, Wirtschaft, Politik, Golf und Kommunikation geschrieben. Bisher hat er zwei Sachbücher veröffentlicht. „Der Wald“ ist sein Belletristik-Debut. Er lebt in Graz und Mondsee.

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Leseproben

Ein kurzer Text-Ausschnitt aus jeder der sechs Erzählungen

Als Geher an einem feuchtkalten Jänner-Tag aus dem Bauch seiner Mutter gepresst wurde, wussten alle Beteiligten sofort: Das war kein gewöhnliches Baby. Von seinem allerersten Atemzug an schrie Geher, was das Zeug hielt. Er wartete gar nicht erst ab, dass ein Arzt ihm auf den Rücken klopfen würde, um seine Lungen in Betrieb zu setzen. Kaum war er zur Gänze der Vagina der Mutter entglitten, noch bevor jemand die Nabelschnur abgetrennt hatte, holte er ganz von selbst tief Luft und brüllte los. Das blieb so, bis Geher ein halbes Jahr alt wurde. Er schrie und zeterte, wann immer sich die Gelegenheit bot. Still war er nur, wenn er zunächst an den mütterlichen Brustwarzen und später an einer kleinen Babyflasche saugte. Doch selbst dann, das hatte Gehers Umgebung rasch gelernt, bestand akute Gefahr, dass er jederzeit losbrüllen konnte.

Aus der Episode „Der enthusiastische Herr Geher“

Pass gut auf, weil womöglich lernst du jetzt etwas für dein Leben. Es kann zum Beispiel sein, an einem trüben Tag eines frühen Herbstes, da hast du einen Job zu erledigen, steigst in einen Zug in ein anderes Land, denkst dir nichts Böses obwohl du losfährst, um Böses zu tun. Und da schickt dir das Leben eine richtig hinterfotzige Sauerei in deinen Alltag, eine verzwickte Gemeinheit, eine exemplarische Boshaftigkeit, die eine Kälte dich umwehen lässt, die du den Rest deiner Tage nicht mehr loswirst. Die verfolgt dich dann, bis du abtrittst. Vielleicht legt sie dir diesen Abtritt sogar nahe, weil sie alles um dich und in dir erstarren lässt, bis du klirrst. So, wie Sandra Presch am Abend dieses Tages klirrte und das kristallene Zittern in ihr nicht mehr loswurde, nicht am nächsten Tag, nicht in der nächsten Woche, nicht nach einem Monat, Jahrzehnte lang nicht.

Aus der Episode „Lady Cheeseburger“

Declan beugte sich nach vorne, als er den stärker werdenden Druck der Hand seiner Mutter in der eigenen spürte, und konzentrierte sich.

„So many hopes had we“, sagte Mary, so viele Hoffnungen hatten wir!

Declan, der diesen Satz schon kannte, wusste, was folgen würde. Eine enttäuschte Zusammenfassung der Zeit seit ihrer Ankunft hier in Amerika, als sie von Bord der Saoirse na Mara gegangen waren, jenes irischen Dampfers, der sie mit anderen Auswanderern nach New York gebracht hatte. Zu oft schon hatte seine Mutter im fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit lamentiert, was sie für den kleinen Sohn und sich in der Neuen Welt alles erwartet hatte. Nichts davon war eingetroffen. Keine Hoffnung war erfüllt worden. Mary und Declan Mulcahy hatten es während der vergangenen zwölf Monate nicht geschafft, sich in Amerika ein funktionierendes Leben aufzubauen.

Aus der Episode „Diese Hoffnung bist du“

Wann immer Ernesto Nones an seine Nonna dachte, befiel ihn ein Schwall von Traurigkeit, der ihn wie eine überdimensionale Welle ins Schwanken brachte. Als stünde er im flachen Wasser der Badeanstalt von Grignano und die Adria schwappte plötzlich mit aller brachialen Gewalt des Mittelmeeres gegen ihn an, sodass er seinen sicheren Stand verlor. Dann war es, als verstellte die Vergangenheit, die seiner Großmutter gehörte, Ernestos Weg in der Gegenwart. Einen Grund für diese Betroffenheit, das überraschende Abgleiten in matte Anflüge einer Depression, die ihm selbst gänzlich unverständlich war, gab es nicht. Nones hatte seine Großmutter aus dem Trentino, die gestorben war, lange bevor er auf die Welt kam, nie gesehen. Auch aus den rudimentären Erzählungen des Vaters über das nicht besonders glückliche Leben von dessen Mutter ließen sich kaum Ursachen für Ernestos bedrückende Gemütszustände finden, die ihn in einen passiven Dämmerzustand versetzten, sobald ihm die Nonna in die Gedanken fuhr.

Aus der Episode „Der Wald“

Ich bin dem Himmel nahe und höre die Stimme eines Engels. Sie singt vom Tod in mein Ohr, in einer Sprache, die ich nicht verstehe, die mir aber vertraut ist. Ich sehe Holyhead, das fahle Wasser unter mir, eine konturlose, mattblaue Decke ohne Ende oder Anfang. Kein rechts und kein links. Dann diese sanfte Kurve, es drängt mich gegen das reduzierte Fenster, die Welt tauscht ihren Horizont, oben fließt nach unten. Eine Halbinsel mit einem Dorf wie eine Puppenstube schwimmt durch meinen Blick nach hinten und wird Vergangenes. Rütteln, ich muss das iPhone abschalten, sagt der Pilot über den Lautsprecher, bald darauf ein Stoß, verhalten wie ein zärtlicher Stromschlag, wir rempeln den Boden an, der Umkehrschub drängt mich gegen den Vordersitz. Dann ausrollen über die Landepiste. Wie eine vollgefressene Katze umschleicht das Flugzeug das Glasgebäude des Terminals, pompös, aber geschmacklos. Später dann fährt eine breite Glastüre auseinander, ich trete nach draußen und bin in Dublin. Und in genau diesem Moment weiß ich, dass ich hier sterben werde.

Aus der Episode „Die Kaffeehauscellistin“

Mit spitzen Fingern balancierte Eckstein den Zuckerstreuer aus dem Küchenschrank zum Esstisch und bedeckte das feiste Stück Apfelstrudel auf dem Teller mit einer blickdichten Schneedecke aus Zuckerpuder. An diesem einen Tag im Jahr verzichtete er darauf, den Diabetes zu bekämpfen, der in Ansätzen begonnen hatte, sich zart in sein Leben einzuschleichen, und gegen den er ansonsten entschlossen anradelte, im Sommer auf einem eigens angeschafften Rennrad und im Winter auf dem Ergometer in seinem Wohnzimmer. Eckstein verzichtete auf das meiste, was süß war, aß wenig Brot, ging viel zu Fuß und verbrachte seine Einsamkeit damit, sich auszumalen, wie lange und wie entschlossen er der dunklen Bedrohung Widerstand entgegensetzen können würde. Mit jedem Kilogramm, das er sich von den Hüften stampfte und das er bei der Nahrungsaufnahme ins Nirwana verzichtete, holte er sich jene Zuversicht in seinen Alltag, mit der sich für ihn das Älterwerden, das Alleinsein und das Leben ganz allgemein ein wenig schmerzloser ertragen ließen.

Aus der Episode „Ecksteins Fest“