Die Tiere des Waldes und wir Menschen
Vor Jahren, wir hatten gerade Pandemie und Spazierengehen in der Einsamkeit war das einzige, was die ansonsten völlig versagende Regierung den Menschen erlaubte, erhielt ich einen Auftrag. Die Chefredactrice des Magazins „Freizeit“, das immer am Samstag der Tageszeitung Kurier beiliegt, bat mich darüber zu schreiben, wie es denn so ist, durch Wälder zu spazieren. Durch Wälder spazieren und darüber schreiben? Das machte mich zunächst einmal ratlos. Doch ich wusste mir zu helfen.
Ich ließ mich inspirieren.
Ein von mir sehr geschätzter Kollege aus Deutschland schrieb eine großartige Story für die FAZ, wie er einen ganzen Tag im Wald verbrachte, einfach so. Das hat was, dachte ich mir: In Zeiten der Pandemie ist eh irgendwie der Wald unsere letzte Zuflucht der Freiheit. Also, warum nicht einmal eine Geschichte über Österreichs Wälder recherchieren, die derzeit von uns Menschen regelrecht gestürmt werden, weil sonst ja so wenig Herumtreiberei erlaubt ist. Können wir sonst nirgendwohin gehen, gehen wir in den Wald halt.
Aus der Recherche wurde in der Folge nicht für eine grundsätzliche Geschichte zum Thema Wald, sondern darüber, wie wir Menschen mit den Waldbewohnern, also den Tieren, koexistieren können, wenn wir deren Wohnzimmer mit unserer Präsenz fluten. Das war eh tatsächlich die bessere Story zur momentanen Situation, bemerkte ich rasch. Also machte ich mich ans Werk.
Ich habe zu erzählen, und das ist immer noch gültig: Es ist alles in allem ziemlich unschön, was wir Menschen im Wald so anrichten.
Irgendwie benehmen wir uns dort nämlich nicht so richtig gut. Das ginge rücksichtsvoller. Die gute Nachricht jedoch: Der Wald hält viel aus. Er hält sogar uns aus. Wenn wir uns ausschließlich auf Wegen bewegen und Hunde an die Leine nehmen, kann nicht viel passieren. Der Wald und die Tiere des Waldes überstehen dann sogar die menschliche Monsterwelle. Bloß Radeln im Wald ist wirklich, wirklich böse und wirklich, wirklich verpönt. Und Schwammerlsuchen, bitte: höchstens in Maßen, nicht in Massen.
Also: Mountainbiker! Pilzfreaks! Vernehmt ihr die Botschaft? Reißt´s euch gefälligst zusammen.
Ich sprach für die Story nicht nur mit dem obersten Jäger Österreichs, sondern auch mit dem Chef-Waldmenschen der Bundesforste sowie mit der Wald-Auskennerin des WWF. Sie alle baten mich händeringend darum, in meiner Geschichte doch auch ein paar Hinweise zu veröffentlichen, wie wir Menschen uns im Wald richtig benehmen. Wer bin ich, dass ich das ablehnen könnte. Ich fand zum Beispiel bei meinen Recherche-Spaziergängen durch ein paar Wälder neben diversem anderen Zeugs, das dort nicht hingehört, tatsächlich auch einen Golfball. Einen Golfball! Mitten im Wald. Gelb war er auch noch. Das geht aus zweierlei Sicht gar nicht: Einerseits soll man im Wald nichts zurücklassen, was man dorthin mitgebracht hat, Golfbälle schon gar nicht. Und andererseits soll man, wenn man die Sache ernst nimmt, nicht mit gelben Bällen Golf spielen. Ein Golfball hat weiß zu sein, punktum. Das aber nur nebenbei.
Meine Bitte dazu, weil wir ja in unseren zusehends heißen Sommern immer öfter die kühlen Wälder aufsuchen und dort leider manchmal ganz ordentlich umrühren: Auch wenn Sie vielleicht nicht immer alles richtig machen, benehmen Sie sich im Wald. Dessen Tiere und ich danken es Ihnen.



