Es gibt Journalisten und Journalistinnen, also professionell Schreibende, die behaupten: Alles, auch das auf den ersten Blick Langweiligste, birgt eine Geschichte in sich, die es wert ist erzählt zu werden. Und sie haben recht damit.

Doch der Grat zwischen Aufmerksamkeit und Langeweile ist beim Erzählen einer Story ein schmaler Die Kunst des Erzählens einer Geschichte ist eine hohe. Sie verlangt Gespür, Einfühlungsvermögen, Eloquenz. Sie verlangt Wissen um Sachverhalte und Kenntnis jener, deren Herz und Verstand die Geschichte erreichen soll.

Ich bin überzeugt, sehr verehrte gebildete Leserinnen und hochverehrter gebildeter Leser: In den Tiefen auch Ihres Unternehmens, Ihrer Institution oder ihres persönlichen Erfahrungsportfolios, schlummern wahre Schätze an Geschichten. Die sich jenen Menschen gut erzählen lassen, die Sie für Ihre Produkte, Ideen oder Dienstleistungen interessieren wollen. Nur: Diese Schätze müssen erst gehoben werden, nötigenfalls vor dem Erzählen auch ein wenig poliert, damit sie glänzen können. Und bedenken Sie – nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist wirklich eine Perle. Andererseits kann vordergründig Mattes in Wahrheit ein Juwel sein.

Es ist daher naheliegend, bei der Auswahl des Themas für eine Geschichte einem professionellen Storyteller – das sind Journalisten und Kommunikationsberater – zu vertrauen. Die wissen am besten, wie man Sachverhalte, die Ihnen als Auftraggeber wichtig sind, aufbereitet. Wie man sie zuhörergerecht erzählt: Küchenzuruf, Spannungsbogen, W-Fragen, Pyramidenaufbau – das sind einige Elemente, mit denen man jonglieren muss, hat man ein gutes Thema gefunden.

KI, sehr verehrte gebildete Leserinnen und hochverehrte gebildete Leser, kann das alles nicht.

Nicht einmal dann, wenn man es ihr vorher mühsam mit peniblem Prompten beibringt – das dann zeitaufwändiger ist als das eigenhändige Erzählen der Geschichte. Vertrauen Sie also lieber gleich auf die Expertise eines professionellen Geschichtenerzählers. Sie werden staunen, was gutes Storytelling Ihnen dann bringen kann. Zum Beispiel bei der Pressearbeit. Oder beim Vertrauensaufbau für Ihr Unternehmen, für Ihr Produkt, Ihr Projekt, Ihre Idee.

Mein Rat: Bringen Sie die Schatztruhe mit den Geschichten, die Sie in sich tragen, zu einem professionellen Geschichtenerzähler. Lassen Sie ihn – oder sie natürlich – ein wenig im Inhalt wühlen. Und dann eine Perle herauspicken. Sie polieren, behübschen, schön präsentieren. Sie werden überrascht sein, wie diese Perle – Ihre Geschichte – dann glänzt.

Beginnen wir doch einfach mit einer Frage: Wissen Sie, wer Henri Nannen war? Den jüngeren Semestern unter Ihnen sagt der Name womöglich nichts mehr. Aber Sie, geschätzte Blogleser und -leserinnen, die Sie sich im allerbesten Alter befinden, wissen vermutlich noch etwas damit anzufangen. Henri Nannen war einer der berühmtesten deutschen Publizisten und Verleger, Gründer des Magazins „Stern“, Gründer der immer noch bekanntesten deutschen Journalistenschule, kurz: ein echter Doyen der Medienbranche.

Und Henri Nannen war der Erfinder des „Küchenzurufs“.

Jede gute Geschichte, egal ob journalistisch erzählt oder prosaisch, ob geschrieben, gesprochen oder in Bewegtbildern weitergegeben, braucht einen. Der Küchenzuruf ist eines der wesentlichen Werkzeuge guter Storyteller und Text-Köche. Und das wichtigste Tool, wenn man seinen Text plant. Egal ob es sich dabei um eine Aussendung für die Medien, eine Rede für den Firmenchef, eine Reportage für das Mitarbeitrmagazin oder sonst eine schreiberische Herausforderung handelt. Jeder gute Text, von dem etwas bei seinen Lesern, Hörern oder Zusehern hängen bleiben soll, braucht einen Küchenzuruf.

Und was ist das jetzt genau, dieser Küchenzuruf? Ganz einfach: Der Küchenzuruf ist die in einem oder zwei Sätzen zusammengefasste zentrale Aussage eines Textes – die Kernbotschaft.

Bevor Sie zu schreiben beginnen, egal welchen Text, müssen Sie wissen, was Ihre Kernbotschaft sein soll. Formulieren Sie sie für sich selbst in einem oder zwei Sätzen. Gelingt Ihnen das nicht, haben Sie ihre Geschichte noch nicht gut genug durchdacht. Fragen Sie sich: Wenn Ihr Leser den Text gelesen hat und danach seiner Ehefrau zu Hause in einem Satz erzählen muss, was drin steht, was der Succus ist – wie würde dieser Satz lauten? Und genau diesen Satz behalten Sie beim Schreiben immer im Hinterkopf. Das wird Ihnen helfen, das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren, das Sie mit Ihrem Text erreichen wollen, den Roten Faden nicht aus der Hand zu geben, sich nicht zu verzetteln, den Text nicht ausfransen zu lassen.

Zum Schluss noch – warum dieser seltsame Name, warum „Küchenzuruf“?

Henri Nannen war das Kind einer anderen, vergangenen Zeit. Als er am Höhepunkt seines Schaffens war, galten noch klassische Rollenbilder: Der Mann saß abends im Lehnsessel im Wohnzimmer, die Frau hantierte in der Küche mit dem Abwasch. Der Mann las einen interessanten Artikel in der Zeitung und wollte seiner Frau vermitteln, was drin steht. Weil in der Küche das Geschirr klapperte und er um zwei Ecken zu rufen hatte, musste er sich kurz fassen – also einen, maximal zwei Sätze. Daher: Küchenzuruf.

Und was wäre jetzt, bitteschön, der Küchenzuruf dieses kurzen Textes? Wie wäre es damit:

„Bevor man zu schreiben beginnt, braucht man für seinen Text unbedingt einen Küchenzuruf.“