Yes, ein bissl bin ich tief drin in meinem innersten Ich in mikroskopischen Ansätzen ein Snob – nicht gern allerdings, und wohl eh nur in jenem Ausmaß wie jeder und jede von uns.

Jedenfalls muss ich zugeben: Ich bemitgliede am Mondsee einen Segelclub. Hauptsächlich deshalb, weil es gar nicht anders geht, besitzt du ein Boot und willst es irgendwo sicher vor Anker liegen haben. Die Nonna Nones – vielleicht erzähle ich Ihnen hier demnächst einmal, was es mit diesem Namen auf sich hat –  ist mir lieb und teuer, die will ich nicht an einer beliebigen Boje weit draußen im Wasser ihrem Schicksal überlassen. Ich weiß sie lieber in Sicherheit, vertäut an einem Steg meines Vertrauens. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang kurz erwähnen, dass der Segelclub Schwarzindien – ja, Sie dürfen sich über den kuriosen Namen gerne lustig machen, aber den Ort Schwarzindien gibt es am Mondsee wirklich, was eine andere Geschichte ist, die ich Ihnen sicher ebenfalls irgendwann einmal erzählen werde – lassen Sie mich also erwähnen: Der Segelclub Schwarzindien ist in Sachen Snobismus wirklich unverdächtig – sehr liebe Menschen dort, alle ganz normal, alle freundlich, alle bodenständig, Sie werden hier kaum Gspritztes vorfinden. Man kann sich wohlfühlen.

Doch es geht heute um etwas anderes: Es geht ums Schifferlfahren. Und da steht seit jeher eine Frage im Raum, über die streiten sich die Schifferlfahrer überall und niemand kennt sich aus, selbst im Segelclub Schwarzindien nicht. Nämlich:

Wann sagt man Boot, wann sagt man Schiff, und wann sagt man Yacht?

Sehr passend, dass ich mich vor einiger Zeit mit Michael Frauscher traf. Frauscher ist einer der Chefs der formidablen Frauscher-Werft am Traunsee, die ganz außerordentliche Yachten baut, von klein bis groß. Warum also nicht die Gelegenheit nützen und ihn fragen, der es ja wohl wissen muss? Wir standen in der großen Werkshalle an Deck einer bereits fertigen Luxusyacht – knapp 15 Meter lang, schwarz wie die Nacht und über eine Million Euro teuer, ein Ding aus einer anderen Welt, das auf die Abnahme durch seinen künftigen Besitzer wartete, einem deutschen Star-Architekten – und Frauscher erzählte mir ohnehin gerade Wunderstories aus dem Yachtbau.

Also, ich fragte:

Wann sprechen wir von einer Yacht und wann von einem Boot, Herr Frauscher?

Das wisse eigentlich niemand so genau, antwortete er, die Angelegenheit sei eine fließende und sehr oft der Beurteilung ihrer jeweiligen Betrachter überlassen. Frauscher bot mir jedoch die von ihm persönlich entwickelte Erklärung an, welche, so sagte er, ihm gegenüber bislang noch niemand schlüssig widerlegen habe können:

Eine Yacht ist es dann, wenn man zu ihrer Bewegung einen Käptn braucht. Kommt man ohne Käptn aus, ist es ein Boot.

Okay – und was ist dann ein Schiff, Herr Frauscher?

Ein Schiff sei alles, was kommerziellen Angelegenheiten im Sinne der Beförderung von Fracht oder Personen in nennenswertem Ausmaß diene und ebenfalls einen Käptn vonnöten mache, lautete die Antwort.

Gut, dann wissen wir das jetzt und haben etwas fürs Leben gelernt.

Jedenfalls, ich sah in der Frauscher-Werft, die zu den drei größten im deutschen Sprachraum und zu den zehn größten in Europa zählt, Boote in allen Entstehungsstufen. Kleine Elektroboote genauso wie große Boote mit Verbrennungsmotor  – die eigentlich Yachten sind, aber weil Frauscher einen sehr unprätentiösen Zugang pflegt und es lieber sieht, wenn die Eigner selbst pilotieren, was auch meistens der Fall ist, reden wir eben von Booten. Alle totaler Luxus, alle unglaublich cooles Design. Frauscher lässt bei Gerald Kiska zeichnen, wohl einer der bekanntesten Österreicher der Design-Zunft. Und dazu auch noch bei einem jungen, einheimischen Traunseer, der einen Namen trägt, kein Schmäh jetzt, welcher den Erfolg praktisch unwiderruflich vorgibt:

Der Mann heißt Stephan Everwin.

Ich meine: Everwin! Frei übersetzt: Gewinnt immer. So musst du einmal heißen. Ich sah einige Everwin-Entwürfe, die Frauscher-Werft hat nämlich Revolutionäres in Planung, und war begeistert. Nomen est Omen.

Jedenfalls, beim entspannten Plaudern an Deck des edlen schwarzen Architekten-Luxusmonsters, welches, erst einmal im Wasser um die Balearen, auf den Namen Xerxes hören wird, lernte ich bei zwei Fläschchen Eggenberger-Bier spannende Dinge über das Schifferlfahren. Michael Frauscher erzählt gern davon, und er ist der festen Überzeugung, wenn man auf einem Boot über Boote plaudere, müsse stets ein Bierchen zur Hand sein, was das Erzählen dann umso geschmeidiger werden lässt. Ich werde Ihnen in der erwähnten Story einige der Schnurren weitergeben. Auch ein paar Schrullen superreicher Eigner werden dabei sein, die in der Frauscher-Werft Boote in Auftrag gaben, die von ihrer Größe, Ausstattung und den Kosten her betrachtet eigentlich Yachten sind. Doch selbstverständlich ohne Namen, denn wir wollen ja diskret bleiben. Aber ein paar Kaliber sind schon darunter, soviel kann ich Ihnen verraten.

Zum Abschied schenkte mir Michael Frauscher noch einen Spielzeug-Truck mit einem Frauscher-Boot drauf. Für Sie, liebe Blogleser und Innen, halte ich jetzt noch einen Tipp parat: Falls Sie daran denken, sich ein Wohnmobil anzuschaffen, vielleicht in der Pension oder so – überlegen Sie doch, ob nicht ein schniekes Frauscher-Elektroboot die bessere Wahl wäre. Frauscher hat auch kleine Design-Modelle im Programm, deren Anschaffungs- und Betriebekosten mit einem Camper vergleichbar sind. Sie tragen elitäre Namen wie San Remo, Alassio oder Mirage. Sowas will man doch haben, oder?

Sie wissen das vielleicht nicht, aber ich bin der weltbeste Aufsmeerschauer. Ein echtes Naturtalent. Niemand kann das so wie ich. Glücklich das Meer, das von mir beschaut wird.

Die Welt ist ja voller Menschen, die gerne über Wasser blicken, in welcher Form auch immer, aber im Vergleich zu mir sind sie alle bemühte Amateure. Denn ich betreibe die Sache mit einer Hingabe, die nur jemand an den Tag legen kann, der aus einem Binnenland stammt.

In Graz, wo ich aufgewachsen bin, gibt es die Mur, die ist ein Fliegenschiss von einem Gewässer. Dazu den Thalersee und den Hilmteich, beides Pfützen und auch das nur, wenn sie sich anstrengen. Mehr Wasser ist da nicht, schon gar nicht Meerwasser. Also wächst in einem Grazer Kind der 1960er und 1970er-Jahre, das mit viel Glück der elterlichen Peter-Alexander-Humptatatrallala-Ideologie des sinnlosen Trällerns von Belanglosigkeiten entwischt ist, dem aber zumindest ein wenig Südländisches im Blut liegt, weil irgendwann italienische Vorfahren im Spiel waren, automatisch die Sehnsucht nach dem ganz Großen, dem ganz Weiten. Man ist dann einfach tief in den Genen ein bissl touched bei the rivers and kissed by the sea, vor allem kissed by the sea. Als ich zum ersten Mal das Meer sah – meine Eltern transportierten mich als Dreijährigen an den Hausmeisterstrand von Lignano – wusste ich: Das hier ist zwar noch gar nichts, aber immerhin ist es das Meer. Und das Meer ist alles.

Von da an ging das nie mehr weg. Ich schaue aufs Meer, wann immer und wo immer ich kann. Mit einer Professionalität, möchte ich anmerken, die nur wenige draufhaben. Ich halte das stundenlang durch. Wenn es sein darf, auch tagelang.

Zum Beispiel die letzte Woche des soeben vergangenen Jahres. Ich saß an der Schlossmauer des kleinen weißen Castello von Miramare und starrte aufs Meer. Ich bevölkerte die Kaimauer des Minihafens von Duino ein paar Kilometer weiter und bestaunte einen unglaublichen Sonnenuntergang über Meerwasser. Ich blinzelte beim Aufwachen aus dem Fenster vor meinem Hotelbett und sah direkt auf das Glitzern hinaus, das die Vormittagssonne über den Golf von Triest legte. Ich fuhr hinüber nach Grado und sah aufs Meer. Ich spazierte vom Hotel Riviera wieder hinüber nach Miramare, setzte mich wieder  an die Mauer und starrte wieder und weiter aufs Meer. Am Weg dorthin machte ich in Grignano, ein Minihafen auch dieses, Halt, um mich hinzusetzen – und aufs Meer zu starren. In fünf Tagen Triest kam ich auf gut 36 Stunden gefühltes Aufsmeerschauen, schätze ich.

Sie fragen sich jetzt als ordentlicher Mitteleuropäer natürlich: Was nützt´s? Ist ja eh klass, aber Meer ist Meer, und genug ist genug. Man muss sich ja auch um seriöse Dinge kümmern, die was bringen. Aufsmeerschauen? Dieses ganze schöngeistige Zeugs schafft schließlich kein Bares heran.

Jetzt aber: Seien Sie nicht so ernsthaft.

Schieben Sie ihre vernunftdominierte Alltagsbewältigung einmal zur Seite und tun Sie mehr und öfter Dinge, die nichts Finanzielles bringen und deren Nutzen sich womöglich erst verzögert und verklausuliert in Ihren Alltag schleicht – so, dass Sie ihn vielleicht gar nicht direkt bemerken. Tun Sie was Buntes. Schauen Sie zum Beispiel mehr aufs Meer. Das weitet die Seele. Das bringt Luft in die Lungen und Licht ins Gehirn. Ihnen wird dann später mehr einfallen, als wenn Sie nicht aufs Meer geschaut hätten. Das können Sie wiederum in akzellerierenden Erfolg in Job, Business und allem Möglichen transferieren. Wenn Sie wollen. Sie können das Plus an positiver Emotion aber auch einfach für Ihr persönliches Seelenheil verwenden – wie ich das tun würde. Wer vor Ideen sprüht, weil er viel aufs Meer geschaut hat, dem geht´s im Leben jedenfalls insgesamt besser, glauben Sie mir das einfach.

 Lassen Sie mich Ihnen jedenfalls an diesem ersten Tag des neuen Jahres einen guten Vorsatz verklickern, der Ihnen mit Sicherheit die Seele zuflauschen wird, wenn Sie ihn beherzigen:

Schauen Sie heuer mehr aufs Meer!